Letztes Feedback

Meta





 

Kino und Clubben

Windige Nacht. Ich schlafe trotzdem ganz gut. Als Kissen dient mit mittlerweile ein zusammengeknüllter Pullover. Ich gehe ins Bad um mich frisch zu machen und stolpere mitten in eine Gruppe junger deutscher aus Nürnberg. Ich glaube es sind insgesamt 5 Gesellen. Der klassische deutsche junge Tourist: gerade Abi gemacht, jetzt in Neuseeland zum Entspannen. Ich rede während dem Zähneputzen mit ihnen. Erzähle ihnen meine Geschichte: Abi 2012, wollte Tiermedizin studieren, NC nicht gut genug, deshalb Ausbildung zum TFA gemacht, begrenzte Möglichkeiten zum Studium in Deutschland etc. Ich weiß nicht wie oft und wem ich alles diese Geschichte mittlerweile erzählt habe. Während der Ausbildung dutzende Male den Kunden, und generell auch außerhalb vielen Leuten. Das Ganze geht mittlerweile locker flockig von der Zunge, die Geschichte scheint jedes Mal genau gleich erzählt zu werden. Es ist genauso wie während der Ausbildung, wenn ich zum x-ten Mal einem Kunden die Informationen zur Kastration/Zahnreinigung etc. seines Tieres gebe. Immer das gleiche. Routiniert, flüssig, verständlich.

Ich schweife ab…

Zähne putzen, duschen, frühstücken, zwischendurch von den deutschen verabschieden, Zelt abbauen, Luft aus der Luftmatratze lassen….

Plan für heute: New Plymouth! Durch die Stadt wandern, schauen was sie kulturell und so zu bieten hat. Genauso mach ichs auch. Von der Dame am Campingplatz hab ich am Tag zuvor einen kleinen Stadtplan bekommen. Diesen benutze ich jetzt um die Stadt systematisch zu erkunden. Verschieden Geschäfte werden durchbummelt. Das interessanteste für mich vermutlich die örtliche Tierhandlung. Den Tieren scheint es größtenteils gut zu gehen, die Art der Unterbringung ist jedoch wie so oft nicht schön. Hunde in engen Zwingern, Katzen in Mini-Boxen, ein einzelner Gelbhauben – Kakadu sitzt in einem Käfig vor der Tür und zieht sich die Abgase ungefiltert rein. Das Tierfutter ist soweit ich es beurteilen kann von minderer Qualität und wirkt auf mich wie das typische Whiskas/Frolik – Produkt. Ich spreche die Leute im Laden nicht auf ihre problematische Tierhaltung oder sonstiges an. Ich bleibe eine Weile und gehe dann wieder.

Ich komme schließlich an einem Kino vorbei und beschließe mir den 1. Teil von The Hunger Games – Mockingjay anzuschauen. (solides meh)

Am Nachmittag statte ich der Bibliothek einen Besuch ab und nehme ein verspätetes Mittagessen bei McDonalds zu mir. Schließlich gehe ich zum Auto zurück und beschließe zu einem neuen Campingplatz aufzubrechen. Selbe Stadt – anderer Campingplatz. Nicht das der vom Tag zuvor schlecht gewesen wäre, ich checke einfach in einem anderen ein. 20 Dollar pro Nacht sind in Ordnung für das, was dieser Campingplatz zu bieten hat. Großzügig ausgestattete Küche und TV-Room, Lage in der Nähe des Wassers, nettes Personal…

Ich baue mein Zelt auf und beschließe dann einen gemütlichen Abend vor der Glotze zu verbringen. Ich flacke also auf der Couch und ziehe mir gehaltloses Free-TV rein. Ein anderer Junge setzt sich irgendwann dazu. Ich höre ihn kurz seinen Kumpels was zurufen und bemerke trotz des furchtbaren Schwäbisch, das es doch die deutsche Sprache ist, derer er sich zur Konversation bedient. Ich spreche ihn an. Frage ihn ob er aus Baden-Württemberg kommt. Er bejaht und sagt er komme aus Stuttgart. Oliver hieße er. Wir unterhalten uns weiter. Erzählen wo wir herkommen, was wir hier bereits gemacht haben, reden über Deutschland usw. usw. Wir reden ungefähr eine dreiviertel-Stunde. Dann sagt er, dass er zu seinen beiden Kumpels rausgeht. Ich komme mit und lerne seine Freunde kennen. Max und Marcus. Max ist klein, sportlich und von dem was ich sagen kann, genau wie Oliver relativ intelligent. Marcus ist übergewichtig und hat etwas von nem Proll an sich. Er ist jedoch die Art von Typ der große Sprüche klopft und am Ende ist kaum was dahinter :D Wir stehen ne Weile zusammen rum und reden miteinander, während wir mit einem Fußball rumkicken. Meine berüchtigten Fußballkünste kommen wieder zutage und ich beschränke mich sehr bald nur aufs reden, weil ich keine Lust hab ständig den Ball holen zu gehen. Die 3 haben vor, da heute Freitag ist in die Stadt zum clubben zu gehen. Sie sind genau wie ich gerade erst in New Plymouth angekommen und wissen noch nicht recht was die Stadt alles an Nightlife zu bieten hat.  Sie sind seit zwei Monaten und Neuseeland und haben bis jetzt nur Party gemacht. Alkohol ist hier wahnsinnig teuer, was sie anscheinend jedoch nicht stört. Sie beschweren sich auch über die mangelnden Shopping-Möglichkeiten… Die drei laden mich jedenfalls ein was mit ihnen zu trinken und geben mir sogar alles was sie an Alkohol haben umsonst. Super Sache. Es gibt Qualitäts-Tetrapack-Wein und Captain Morgan. Später wollen wir in die Stadt und kucken ob wir einen Club dort finden. Ich verstehe mich gut mit den dreien und während wir langsam heiterer werden und Geschichten über alles Mögliche austauschen wird es dunkel.

Meine Freunde aus Deutschland werden wissen, dass ich nicht allzu viel Alkohol vertrage und relativ schnell einen Zustand Seeliger Berauschtheit erreiche. Ich mache mir schon Sorgen nach dem Vorglühen am Ende zu sein, als ich jedoch sehe, dass die drei Stuttgarter noch weniger vertragen als ich. Als wir in die Stadt aufbrechen (zu Fuß etwa 2,5 km) schwankt Oliver wie ich noch niemanden habe schwanken sehen. Ist ein Wunder, dass der Junge nicht gegen jeden Laternenpfahl läuft, der unseren Weg kreuzt. Dabei hatte er kaum mehr als 2 Becher Wein und ein Schluck Captain…

Ich habe mir gründlich überlegt, wie sehr ich über den Rest des Abends ins Detail gehen soll, habe jetzt aber beschlossen, da das hier mitunter auch meine Eltern und Großeltern lesen, es hierbei zu belassen.

Die Familienfassung: Ich hatte einen schönen Abend und bin irgendwann nachts um vier glaube ich zurück in meinem Zelt angekommen. Der Gentleman schweigt über den Rest des Abends.

16.2.15 11:26, kommentieren

Werbung


Fahrt nach New Plymouth

Neuer Tag – Neues Ziel. Diesmal ist es New Plymouth und der Mount Egmont. Ganz im Westen der Nordinsel an der Küste befinden sich die Stadt  und der Vulkan, der sich hier einsam aus dem Land direkt an der Küste erhebt. Ich starte routiniert in den Tag und fahre los. Allerdings nicht lange – der Tank ist leer. Ich fahre zur nächsten Tankstelle, wo ein junger Mann mir den Tank  auffüllt. Einige Tankstellen hier haben diesen Service, aber es ist das erste Mal dass jemand mir den Tank auffüllt (an anderen Tankstellen waren diese Leute immer bereits an anderen Autos beschäftigt.). Wir tauschen einige Höflichkeitsfloskeln aus und er fragt mich ob ich aus Deutschland komme. Ich bejahe das und frage woran er es erkannt hat. Er meint ein Großteil der jungen Leute die Touristen sind hier in Neuseeland sind Deutsche. Allerdings hätte er es auch an meinem Akzent gehört. Ich war eigentlich immer recht stolz drauf ein sauberes Englisch zu sprechen, ohne den grässlichen deutschen Akzent, aber irgendwas scheint mich doch verraten zu haben. Ich komme trotzdem mit dem Mann ins Gespräch. Auch nachdem ich bezahlt habe unterhalte ich mich weiter mit ihm. Netter junger Mann, ursprünglich aus Indien, lebt seit 5 Jahren hier… Wir reden eine ganze Weile miteinander. Die Tankstelle ist schlecht besucht und er scheint nichts anderes zu tun zu haben. Irgendwann will ich weiter und krame aus meinem Geldbeutel ein paar Münzen raus. Ich weiß nicht ob diese Leute auf das Trinkgeld angewiesen sind, so wie z.B. Kellner in Deutschland. So oder so möchte ich ihn ein wenig unterstützen. Er lehnt jedoch ab. Meint er würde bezahlt werden und dass das nicht nötig sei. Ich versuche es nochmal, aber er nimmt es immer noch nicht an. Also wünsche ich ihm einfach noch einen schönen Tag, bedanke und verabschiede mich bei ihm. Der Mann kommt zwar nicht ursprünglich aus Neuseeland, ist aber trotzdem unglaublich nett, wie man es den Neuseeländern (Kiwis) nachsagt.

Ich fahre und fahre. Gegen Mittag mache ich eine Pause und schlafe kurz in meinem Auto. Am Nachmittag komme ich an einem Schild vorbei, das auf einen Drehort zum Hobbit in der Nähe aufmerksam macht. Ich wusste nichts davon, freue mich aber und folge dem Wegweiser 14 km lang auf einer gewundenen, ländlichen Straße. Ich komme auf einer Farm raus. Ein Schild verweist und tägliche, vorzubuchende Touren. Ein Gatter versperrt den weiteren Weg. Naja etwas enttäuschend. Keine Tour für mich. Also fahre ich einfach wieder zurück auf die Hauptstraße und fahre weiter nach New-Plymouth als wäre nichts gewesen. Die Fahrt ist relativ ereignislos. Ich fahre schneller als erlaubt (die 100km/h die hier überall erlaubt sind beginnen mich zu nerven) und habe meinen Spaß auf der Straße. Die Landschaft wechselt ständig. Mal Berge, mal Ebene, mal Flüsse …. Das Land ist unglaublich vielseitig.

Ich komme schließlich in New Plymouth an. Den Vulkan sehe ich nicht. Es ist relativ bedeckt. Ich überlege mir kurz, ob ich zum ersten Mal in einem Hostel schlafen will, entscheide dann aber, dass es ein Campingplatz auch tut. Der, zu dem mein Navi mich führt ist gut ausgestattet. Ich finde einen Kochtopf, in dem ich zum Abendessen Nudeln mit Fertigsoße koche, wechsle ein paar Takte mit zwei jungen Männern aus Landshut, schreibe einen Blogeintrag und gehe dann schlafen.

31.1.15 11:29, kommentieren